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Aníbal Troilo (1914–1965)

Im Zentrum steht das musikalische Erbe von Aníbal Troilo, genannt „Pichuco". Von 1937 bis 1975 leitete er eines der großen vier Orchester des Tango und galt als „el bandoneón mayor de Buenos Aires" Mit seinem „singenden" Bandoneon und ganz auf die Tänzer ausgerichteten Arrangements brachte er jede Milonga gefühlvoll in Schwung.

Troilos musikhistorische Bedeutung besteht darin, dass er den Tango nicht radikal veränderte, sondern ihn in seiner klassischen Form vollendete. Er schuf einen Stil, der technisch anspruchsvoll, emotional unmittelbar und zugleich orchestral ausgewogen war. Deshalb wird er oft als der Inbegriff des traditionellen Tangos angesehen – während Piazzolla als dessen großer Erneuerer gilt. In der Geschichte des Tangos bilden beide zusammen die zwei Pole, an denen sich spätere Generationen bis heute orientieren.

Die wichtigsten Gründe sind:

Ein unverwechselbarer Klang. Troilo entwickelte den sogenannten «Sonido Troilo». Sein Bandoneon klang warm, gesanglich und emotional. Zeitgenossen sagten oft, er „lasse das Bandoneon singen“, statt es nur zu spielen.

Emotion vor Virtuosität. Anders als manche technisch brillanten Solisten stellte Troilo nicht die Virtuosität in den Vordergrund. Seine Phrasierung, Timing und dynamische Kontrolle vermittelten Melancholie, Sehnsucht und Spannung.

Förderer großer Talente. Troilo erkannte außergewöhnliche Musiker früh. Besonders bekannt ist, dass der junge Astor Piazzolla mehrere Jahre in seinem Orchester spielte und dort als Bandoneonist und Arrangeur wichtige Erfahrungen sammelte. Troilo war offen für musikalische Neuerungen, ohne den traditionellen Tango aufzugeben.

Starke Kompositionen. Er war nicht nur Interpret, sondern auch Komponist bedeutender Tangos wie «Barrio de Tango», «Sur», «La última curda» oder «Responso». Dadurch prägte er das Repertoire des Tangos nachhaltig.

Perfektes Gespür für Sänger. Seine Zusammenarbeit mit berühmten Tangosängern – etwa Francisco Fiorentino und Roberto Goyeneche – machte viele seiner Aufnahmen zu Klassikern.